WIRODIVE Tauchreisen und Tauchsafaris

Papua-Neuguinea Reisebericht

Papua Neuguinea

Iris Dielhenn & Stefan Kargl, 04.-27.09.2010

Zusammen mit Denise von WIRODIVE haben wir diese Reise individuell nach unseren Wünschen zusammengestellt. Dabei kamen uns die Kompetenz und langjährige Erfahrung von Denise, sowie deren Kenntnis von Land und Leuten sehr entgegen.

Papua-Neuguinea

Begonnen haben wir unsere Reise mit einem zweitägigen Stopover in Hongkong (Eaton-Hotel, empfehlenswert durch gutes Preis-Leistung-Verhältnis und zentrale Lage in Kowloon).

Das erste große Highlight in PNG war die 8-tägige Safari auf der MV FEBRINA.

Da gab es absolut nichts zu meckern: Die Tauchplätze waren wirklich hervorragend, viel Großfisch, schöne Riffs und auch genügend Makro-Stuff. Vor allem die ausgedehnten Hartkorallen auf der Tour ab Kimbe hatten es uns angetan. Die Wassertemperaturen von 30 Grad und beste Sichtweiten ließen die bis zu fünf Tauchgänge am Tag eine einzige Erholung sein. Dazu gutes Essen und super Zimmerservice, einschl. Laundry. Die FEBRINA ist kein Luxusdampfer, aber bietet alles, was das Taucherherz erfreut, die Crew ist mindestens so kompetent und sicherheitsbewusst wie freundlich und hilfsbereit.
Nitrox ist selbstverständlich.

Papua-Neuguinea

An die Safari schloss sich unsere 10-tägige Reise durchs Hochland an.

Vor unserem Flug nach Goroka hatten wir Gelegenheit, mit einem einheimischen Führer einen Spaziergang zu mystischen Höhlen bei Gorupoka zu machen und dort auch den "Ghost Dance" zu sehen, den die männlichen Dorfbewohner uns vorführten.

In Goroka findet alljährlich das große Sing-Sing statt. Dort trafen sich über 80 Stämme und Gruppen, die ihre traditionellen Tänze und Gesänge in der entsprechenden Kleidung vorführten. Es handelt sich um keine touristische Folklore-Veranstaltung, sondern dient in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen der einzelnen Clans und dem Bewahren der kulturellen Identität. Nur wenige Ausländer, Fotografen und Touristen, erhalten die Erlaubnis, dabei zu sein, zu filmen und zu fotografieren. Wir waren von diesem festlichen zeremoniellen Treffen zutiefst beeindruckt und haben natürlich auch entsprechend viel fotografiert. Besonders hat uns gefallen, dass die Menschen sehr aufgeschlossen sind und auch immer Zeit für ein Gespräch mit uns in meistens gutem Englisch war.

Papua-Neuguinea
Dazu muss man wissen, dass PNG aufgrund seiner klimatischen und geologischen Gegebenheiten auch für die Einheimischen sehr schwer zugänglich ist, die Begegnungen der einzelnen Stämme selten waren und sind und aufgrund der mangelnden sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten meist mit hohem Aggressionspotential einhergingen. Es gibt in diesem Land mehr als 800 Sprachen bei ca. 6 Mio. Einwohnern. (Zum Vergleich: In Europa gibt es ca. 40 Sprachen!)

Auch heute leben noch viele Menschen von der sog. Subsistenzwirtschaft, d.h. sie bauen in ihren Gärten Lebensmittel für den täglichen Bedarf an und tauschen, das was übrig ist. Sie betreiben diese Art von Gartenbau erfolgreich seit der Steinzeit und er mutet für uns erstaunlich modern an, wenn man ihn unter den Aspekten des heutigen ökologischen Landbaus betrachtet.

Der nächste Abschnitt unserer Reise war eine Fahrt mit dem Van durchs Hochland zu der wunderschönen Küstenstadt Madang. Auf dieser 600 km langen Fahrt konnten wir uns davon überzeugen, dass die Straßen in PNG wirklich so abbruchgefährdet sind, wie in den Reiseführern beschrieben und tiefste Schlaglöcher sie häufig unpassierbar machen.

Auf dieser Fahrt machten wir auch Halt in kleinen Ansiedlungen und Dörfern und erlebten, wie wirklich arm und fern der Zivilisation die Menschen dort noch leben, etwas, was in diesem Extrem für uns Europäer bis dahin nicht vorstellbar war.

Nach kleineren Ausflügen in eine traditionelle Töpferei und zu Schwefelquellen erreichten wir schließlich das Dorf Nobonob, ein wichtiges Ziel unserer Reise. In diesem Dorf hatte von 1905 bis 1926 eine Missionarsfamilie gelebt und gearbeitet, deren Nachkommen unsere Freunde sind. Möglich gemacht wurde dieser persönliche Abstecher durch Denise' Kontakte im Land und die Hilfsbereitschaft unseres Fahrers im Loloata-Hotel.
Wie groß war die Überraschung bei den Einheimischen über diesen unerwarteten Besuch aus Deutschland, aber ebenso auch auf unserer Seite, dass wir Menschen begegnen durften, die sich noch an den alten Missionar und dessen (inzwischen als Senioren verstorbene) Kinder erinnerten und davon berichten konnten. Nach dem Betrachten und Austauschen von alten Fotografien und Erzählungen über die Ahnen, die den Missionar begleitet hatten, und zutiefst berührenden Momenten der Begegnung verabschiedeten wir uns mit dem Versprechen, auch in Zukunft die Kontakte zu pflegen.

Die letzten drei Reisetage verbrachten wir mit Tauchen im Loloata-Hotel nahe der Hauptstadt Port Moresby. Die Tauchplätze unterschieden sich beträchtlich in Bezug auf Sichtweiten und Temperaturen von denen bei Kimbe, waren aber deswegen nicht weniger interessant und spannend.

Für uns am beeindruckendsten waren neben all den wunderbaren Erlebnissen über und unter Wasser die zwischenmenschlichen Begegnungen, die vielen auch persönlichen Gespräche, die wir immer wieder mit den Menschen vor Ort führen durften. Wir erlebten eine erstaunliche Offenheit, Hilfsbereitschaft, Wärme, Achtsamkeit, alles Eigenschaften, die bei uns doch sehr an Stellenwert verloren haben.

Die Gesellschaft in PNG befindet sich im Aufbruch: Noch etwas mehr als 100 Jahren war es eine rein steinzeitlich geprägte Gesellschaft, die sich in dieser kurzen Zeit in die Moderne einzufügen versucht. Das ist natürlich auch von Konflikten geprägt. Das traditionelle System ist das "Wantok-System" (Pidgin für "one talk", also die Menschen, die die eigene Sprache sprechen), das die Zugehörigkeit und auch die Abgrenzung nach außen definiert. Dieses System ist nicht so reibungslos mit modernen demokratischen Strukturen und Arbeitsbedingungen in Einklang zu bringen. Auffallend ist, wie sehr gerade Frauen diesen Spagat in die Moderne bewältigen und dabei die alte kulturelle Identität nicht verleugnen oder verlieren.
In diesem Zusammenhang haben auch die alljährlich stattfindenden Sing-Sings ihre hohe Bedeutung für Kultur und Tradition, aber auch für die moderne Entwicklung.

Es bleibt noch zu betonen, dass auf unserer Reise wirklich alles gut geklappt hat und nahezu keine Pannen aufgetreten sind. Dies in einem Land, in dem Flugzeug-Ausfälle, unterspülte Straßen, menschlich- und systembedingte Fehler an der Tagesordnung sind, ein Land ohne Taxis und Cafes, rudimentärem Internet und geringer touristischer Infrastruktur. Es hatte für uns viel mit Glück zu tun, aber auch mit der Tatsache, dass WIRODIVE vor Ort mit den absolut zuverlässigen PNG Explorers zusammenarbeitet, die in höchstem Maße um unsere Sicherheit und Komfort bemüht waren.

Dank an Denise und WIRODIVE, ohne die diese Reise nicht ein so rundherum beglückendes Erlebnis gewesen wäre!