WIRODIVE Tauchreisen und Tauchsafaris

Nautilus Explorer - Reisebericht

Alaska und British Columbia mit der Nautilus Explorer

Anja Wagner, Juli 2009

Alaska

!ALASKA! Das war meine Antwort auf die Frage von Bekannten, wo denn mein nächster Tauchtrip hingehen würde. Die Reaktionen erstreckten sich von totaler Verwunderung bis hin zu schallendem Gelächter. Wer mich kennt, hielt das für einen Scherz, da ich normalerweise der absolute "Warmduscher" bin. Die erwarteten Wassertemperaturen lagen bei ca. 7-9° Celsius, also war mein Trocki im Tauchrucksack, das erste Mal auf einer Tauchsafari. Außerdem mein dicker Unterzieher und Thermounterwäsche sowie mein kaltwassertauglicher Lungenautomat. Lange habe ich überlegt, ob ich einen solchen Trip durchführen kann da ich Gehbehindert bin, aber mit der Nautilus Explorer und dieser Crew ist das möglich.

Ich flog am 18.07.2009 von Frankfurt über Seattle nach Sitka, Alska. Am Abend in der angeschlossenen Bar des Sitka-Hotels habe ich Michelle und Howard Hall kennengelernt, die von einem privaten Charter der NEX zurück kamen.

Am nächsten Nachmittag habe ich mit 18 weiteren Gästen auf der NEX eingecheckt. Die Tour ging durch die Inside Passage nach Vancouver. Der Trip war nicht als reine Tauchsafari geplant. Neben Tauchen standen auch Zodiakausfahrten zur Buckelwal-, Vogel- und Seelöwenbeobachtung auf dem Programm. Auch einen Gletscher sollten wir aus der Nähe zu sehen bekommen, ich war ganz schön aufgeregt.

Und los geht's! Bei Nieselregen, Nebel und einer Außentemperatur von 10° ging es erstmal nach Norden. Wir ankerten bei Elfin Cove, eine Bucht mit einem Felsen, auf dem Stellar-Seelöwen leben, in der Nähe von Baranof Island. Die männlichen Tiere werden bis zu einer Tonne schwer mit einer Größe von bis zu 3 m.

Zunächst fuhren wir in kleinen Gruppen mit dem Zodiak direkt an den Felsen. Sofort überkam uns der stechende Geruch der Exkremente. Die Männchen, die keinen festen Platz auf dem Felsen haben sind sofort am Zodiak und Prusten uns lauthals entgegen.

Seelöwen

Dann der erste Tauchgang. Mehrfache Schichten Unterwäsche, ein dicker Unterzieher und rein in den Trocki. Auf dem 11 m langen Stahlskiff der NEX hat jeder Taucher ausreichend Platz. Auf Wusch werden einem sogar Handschuhe und Flossen angezogen - das nenne ich Service. Ein großer Schritt und es wird grün. Zum Abtauchen nehmen wir beim ersten Mal die das Kelp zur Hilfe. Kein Fleckchen das nicht lebt! Farben, so prächtig und reichhaltig wie im Indopazifik. Nacktschnecken so groß wie Teller. Anemonen, Weich- und Hartkorallen, Seenelken, Dekorkrabben und natürlich auch Fische - trotz diversen Berichten, die ich vorher über Tauchen im Kaltwasser gesehen habe bin ich fasziniert. So reichhaltig hätte ich mir das Leben bei 6° nicht vorgestellt.

Der zweite Tauchgang bei Susans's Hooters beschert mir dann meine erste Begegnung mit den Seelöwen unter Wasser - mein Schreien hat jeder in der Gruppe gehört! Von einer Sekunde auf die andere sind wir umringt von einigen Tieren, die Dan, unserem Diveguide, am Maskenband knabbern und mir an der ersten Stufe. Als ich mich umdrehe blicke ich in 2 große Kulleraugen und auch den Zahnstein kann ich deutlich erkennen - nein, diese Tiere haben wirklich keine Berührungsängste, ich schon!

Nach dem Tauchgang werden wir mit heißen Tee, Kaffe oder heißer Schokolade empfangen - ich liebe die NEX.

Am nächsten Morgen ist das Wetter nicht besser, der Nebel hängt tief. Wir machen wieder Ausfahren mit dem Zodiak und begegnen einem Buckwalweibchen mit ihrem Jungen. Ohne sie zu verfolgen versuchen wir näher zu kommen, wir fahren immer ein Stück und schalten dann den Motor aus um so wenig Lärm wie möglich zu machen. Und genau, dann tauchen die beiden sehr nahe am Boot auf. Bei der Rückfahrt schießen wir noch ein paar Bilder von Seeottern, die auf dem Rücken liegend, einen Stein auf dem Bauch, Muscheln knacken. Sie sind sehr scheu und Dan bestätigt, er hat noch nie einen Seeotter beim tauchen gesehen.

Der nächste TG ist bei Indian Wall. Obwohl Kapitän Mike Lever versucht, uns im Strömungsschatten ins Wasser zu bekommen, zieht es zu Neumond kräftig - im Trocki mit einer schweren 12er Stahl nicht ganz so einfach zu handeln. Aber der Tauchplatz ist der Hammer, Barsche in allen Variationen und Farben, große, weiße Pulmoseanemonen. Zwischendurch Erdbeer-anemonen, deren rot so künstlich aussieht, wie manche Nacktschnecken in tropischen Gewässern. Und hier, in fast 30 m Wassertiefe kommt auch das Grün der Nordostpazifik (richtig????) richtig zum tragen, die Atmosphäre ist ein wenig gespenstisch.

Aufgrund der starken Strömung machen wir den zweiten Tauchgang noch mal bei Susan's Hooters um mit den Seelöwen zu tauchen. Merkwürdiges Getier ist zu beobachten wie z. B. ein Grunt Sculpin, ein kleiner Fisch, der rücklings in einer Muschel sitzt, eine Schweinsnase hat und auf seinen roten Flossen läuft - sehr skurril! Überwasser gab es nistende Kormorane und Papageitaucher zu beobachten.

Am nächsten Tag machen wir 2 Tauchgänge bei Baranof's Rock, bei Baranof Island, der Insel, auf der auch Sitka liegt. Königskrabben und große Fadenschnecken (Dirona) erfüllen mein Herz mit Freude. Auch im Makrobereich ist das Leben hier reichhaltig. Seefedern und -Anemonen haben winzige und sehr bunte Partnergarnelen. Babyflundern sind zu entdecken und immer wieder der Blick durch das Kelp, es fehlen nur noch die Sonnenstrahlen.

Alaska
Wasserfall
Ein Stopp in Sitka - Moment, da sind wir doch losgefahren? Richtig, aber hier auf der anderen Seite der Insel nennt sich diese Anordnung von Häusern ebenfalls Sitka und so ist Sitka die geographisch größte Stadt auf unseren Planeten.

Auch das Baden in den Hotsprings ist spektakulär, der Einstieg rutschig und im Hintergrund ein tosender Wasserfall, der sich dann ins Meer ergießt.

Am Abend fahren wir weiter in die Deep Bay, ein weiteres Highlight dieser Tour. Die Bucht ist ca. 200 m breit mit links und rechts aufsteigenden Steilwänden, eine beeindruckende Einfahrt. Leider ist es nach wie vor nebelig und man kann kaum bis ganz nach oben sehen.

Quallen
Taucherisch begeben wir uns jetzt nach Palau - wie? Vor einigen Jahren hat Mike hier ein Phänomen entdeckt. Hier gibt es eine Population von Mondquallen, die man sonst von Jellyfishlake kennt. Auch diese Quallen hier sind ungiftig. Also ab in den Trocki und rein ins Nass. Es wird weiß um einen herum und wenn man durch sie hindurch schwimmt fühlt es sich an, als würde man zärtlich im Gesicht gestreichelt.

Zwischendrin immer mal wieder Kreuz- Spiegelei- und Löwenmähnenquallen, dessen Tentakeln man besser aus dem Weg geht. Bei 18 m tiefe sind keine Quallen mehr da und es ist stockfinster.

Die Nächte sind kurz im Sommer aber die Zeit der Dämmerung zieht sich über Stunden und so genießen wir die längsten Sonnenuntergänge mit unglaublichen Farben.

Der nächste Tag ist tauchfrei. Wir fahren zum Le Conte-Gletscher. Schon bei der Hinfahrt gibt es kleine und größere Eisberge. Ein merkwürdiges Geräusch, wenn ein Stahlboot wie die NEX durch das Eisbrocken fährt...

Dann der Gletscher - beeindruckend viel Eis und viel Kalt. Durch das Gletschereis wird die Luft stark abgekühlt und treibt ständig eine stramme und eiskalte Brise über das Eis und das Meer.

Gletscher
Gletscher
Der Gletscher ist ca. 70 m hoch und 200 breit. Wir fahren bis auf ca. 700 ran und können ab und an das Kalben beobachten. Danach ankern wir in einer nahegelegenen Bucht und schnorcheln zu einem kleineren Eisberg.

Danach genießen wir, auf dem Eisberg sitzend, das per Zodiak gebrachte "Alaskan White" (oder eine der anderen 36 Biersorten der NEX) - man gönnt sich ja sonst nix.

Alaskan White
Ich hatte es mal wieder zu eilig, also muss ich mir mein Bier schwimmend entgegen nehmen, auch nicht schlecht.

Der nächste Tauchtag findet am Festland bei Foggy Bay statt und hier sehe ich meinen ersten Pazifischen Riesenoctopus, leider vergraben in einer Höhle. Aber ansonsten wieder Leben satt. Große Königskrabben, der sog. Unterwassertank, Warbonetts, Garnelen in allen Größen und Farben. So langsam werden auch die Tauchzeiten immer länger. Wenn ich zu Beginn des Trips nur 40-45 Min. im Wasser war nutze ich jetzt die volle Stunde, auch wenn mir im letzten Drittel die Tauchbuddy's ausgehen (bitte kein Kommentar, danke).

Mein großer Wunsch war es, einmal eine Chimäre zu sehen, ein Tier, das normalerweise nur in der Tiefsee anzutreffen ist. Wir springen ins Wasser und landen direkt auf Einer. Kurz danach noch Eine und später 5 auf einmal. Ein sehr elegantes Tier, das aussieht, als würde es unter Wasser fliegen - ja, ein Traum wurde war. Angeblich haben die männlichen Tiere einen dritten Clusper vorne auf der Stirn. Es ist da zwar ein Hautlappen zu erkennen, aber ob das ein Clusper ist?

Butedale
Butedale
In der Nacht passieren wir die Grenze zu Canada und erledigen die Einreiseformalitäten in Prince Rupert.

Am Morgen liegen wir bei Butedale, ein verlassener Ort, der nur noch von einem Caretaker bewohnt wird und endlich, endlich scheint die Sonne! Die kanadische Crew interpretiert das natürlich sehr patriotisch.

Hier gehen wir Wracktauchen. Die Transpac, ein Königskrabbenfischer, der Mitte der 80er Jahre gesunken ist. Blöd ist nur, das das Wrack fast senkrecht stehend erst auf 38 m beginnt, also mit einer 12er Luft und ohne Dekozeit ein kurzer TG.

An der Oberfläche ist die Sicht mit ca. 3 m äußerst bescheiden, unterhalb dieser Schicht aber ist das Wasser glasklar. Ein wenig unheimlich so im halbdunkeln Wasser an einem Wrack, fast wie ein Nachttauchgang.

Auch der 2. Tauchgang in Butedale ist besonders - ein Muckdive im Hafen von Butedale! Genauso spektakulär wie ein Tauchgang im Hafen von Maumere. Krabben, Garnelen, Ruderfußkrebse zwischen Autoreifen, Flaschen, Dosen und sonstigem Zivilisationsmüll. Seescheiden, Nackt-schnecken - ich liebe es. Nur beim Abstieg gehe ich mal auf 12 m schauen, den Rest des Tauchgangs verbringe ich zwischen 5-3 m.

Die letzten beiden Tauchtage sind typisches Tauchen in British Columbia. Wir machen 2 Tauchgänge bei Dillen Rock, (Vancouver Island) allein hier könnte ich eine ganze Woche Tauchen gehen. Ein großer Pazifischer Riesenoktopus sitzt ruhig auf einem Stein, gut getarnt könnte man fast an ihm vorbeischwimmen. Später noch ein zweiter, der gemütlich über den Sand läuft und dann endlich auch ein Seewolf, zwar ein Kleiner aber wir sind ja nicht anspruchsvoll, denn da ist ja auch noch eine Chimäre und Abalonen, Skorpionfische, Schnappmuscheln, Nacktschnecken und Seeanemonen in allen Formen und Farben. Nach 65 Minuten komme ich dann endlich aus dem Wasser, ich bin, wie so oft, die Letzte. Nachmittags fahren wir mit dem Zodiak zu den Stränden im Hakai Pass. Auf der Rückfahrt hat eine Gruppe das Glück, eine Orcafamilie zu sehen. Ich bin schon früher zurück und so kann ich das Spektakel nur aus der Ferne beobachten.

Orca, British Columbia

Bei einer weiteren Ausfahrt geht es in eine geschützte Bucht und wie so häufig hier oben sehen wir Weißkopfseeadler und auch ganz kurz einen Schwarzbären.

Dann der letzte Tauchtag, schnief.

Pearse Island und Plumper Rock in der Alert Bay. Wieder je 60 Minuten erschließt sich mir die fantastische Unterwasserwelt von BC mit seiner Farbpracht und dem Riesenkelp. Und auf einmal sehe ich sie. Alska Skeleton Shrimp! Wer MIB II gesehen hat, kennt auch Skelettgarnelen, wie sie - glaube ich - auf Deutsch heißen. Die Würmer, die in der Zwischenebene wohnen und rauchend, zockend und mit lockeren Sprüchen Will Smith auf seiner Jagd nach den Außerirdischen unterstützen. Sie sind winzig und zu Millionen vorhanden. Ich bin total fasziniert und schon länger wieder alleine unterwegs als es auf einmal hektisch um mich herum wird. Eine Familie Seelöwen kommt mich abckecken. Der große Bulle vorne dran, halten sich seine Damen eher im Hintergrund. Wir spielen ein wenig Verstecken und um ihn nicht zu provozieren ducke ich mich immer wieder hinter einem Felsen und unterbreche immer wieder den Augenkontakt. Nach einigen Minuten wird ihnen das Spielchen zu langweilig und sie ziehen wieder weiter. Eine der Weibchen aber ist neugieriger und kommt noch ein paar Mal zu mir, viel näher als vorher und überhaupt nicht mehr scheu - ein wunderschönes Erlebnis, ein krönender Abschluss.

Anja Wagner
Alle Taucher sind zurück auf dem Zodiak und weil wir noch eine ein gutes Stück zu fahren haben, ist die NEX auch schon unterwegs. Und wie kommt jetzt das Skiff auf die NEX? Das Skiff wird hinten eingeklinkt und während der Fahrt aufs Schiff gezogen - James Bond lässt grüßen!

10 Tage Kaltwassertauchsafari sind vorbei und ich resümiere: am besten hat mir Dillon Rock gefallen, oder doch die Quallen, Elvin Cove mit den Seelöwen oder die Chimären von Foggy Bay - ich kann mich nicht entscheiden und so werde ich wieder kommen. Außerdem haben wir leider nicht das Bubblenetfeeding der Buckelwale gesehen und auch keine Bären und so ist der nächste Trip für 2011 bereits gebucht, vielen Dank Kapitän Mike und der ganzen Crew.

Reisebericht von Anja Wagner, Costa Rica